24. Juni 2026

Eine persönliche Geschichte über Alzheimer, Liebe und bleibende Erinnerungen.

Meine Mutter hat Alzheimer...
Es fällt mir noch immer schwer, diesen Satz aufzuschreiben. Denn obwohl die Krankheit inzwischen einen großen Teil ihres Lebens einnimmt, ist sie so viel mehr als das. Sie ist nicht nur die Frau mit Alzheimer. Sie ist meine Mutter. Eine liebevolle, fürsorgliche Frau. Eine Oma. Jemand, der immer für andere da war. Jemand, der Liebe in kleinen Gesten zeigte, in Aufmerksamkeit, in Fürsorge, im einfachen Dasein.

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Zusammen mit ihr arbeite ich an einem Memorial.
Nicht, weil sich der Abschied schon nah anfühlen muss. Sondern weil ich es wichtig finde, wie sie in Erinnerung bleibt. Nicht durch die Krankheit, die sie langsam verändert, sondern durch das, was sie immer gewesen ist. Durch ihre Wärme. Ihre Stimme. Ihr Lachen. Die Lieder, die sie gesungen hat. Die Fotos von früher. Die Momente, die etwas über ihr Leben, ihre Liebe und ihre Bedeutung für uns erzählen.

Früher, als ihr Gedächtnis noch nicht so stark nachgelassen hatte, haben wir manchmal gemeinsam darüber gesprochen. Sie hatte Angst vor dem, was kommen würde. Angst, sich selbst zu verlieren. Angst vor dem Moment, in dem Erinnerungen verschwinden würden. Sie fragte manchmal: „Was, wenn ich mich später an all das nicht mehr erinnern kann?“ Dann sagten wir zueinander:

„Dann bleibt die Liebe. Und die kann man fühlen.“ Diese Worte sind mir immer im Gedächtnis geblieben. Inzwischen hat sich ihr Gedächtnis sehr verschlechtert. Gespräche sind anders geworden. Dinge, die früher selbstverständlich waren, sind es nicht mehr. Aber was bleibt, ist das Gefühl. Nähe. Eine Hand halten. Gemeinsam schauen. Gemeinsam zuhören. 
Wir schauen uns jetzt oft gemeinsam Fotos von früher an. Und trotz allem kann sie immer noch sehr gut sagen, welche Fotos ihr gefallen und welche nicht. Manchmal sehe ich etwas in ihrem Gesicht geschehen. Ein Erkennen. Ein Lächeln. Eine sanfte Reaktion auf ein Bild aus einer Zeit, die vielleicht nicht mehr ganz klar ist, aber irgendwo noch spürbar vorhanden bleibt.

Auf ihre Station kommt wöchentlich ein Gitarrist. Er macht Musik mit ihr und zusammen singen sie Lieder von früher. Lieder, die sie auch zu Hause immer gesungen hat. Sobald die Musik beginnt, passiert etwas Besonderes. Als würde sich eine Tür öffnen zu einem Ort, an den Worte manchmal nicht mehr heranreichen. Diese Lieder nehme ich auf.
Nicht als große Geste, sondern gerade als etwas Kleines und Wertvolles. Damit wir sie aufbewahren können. Damit wir sie später wieder hervorholen können. Damit ihre Enkelkinder ihre Stimme hören können. Damit wir gemeinsam zu Erinnerungen von früher zurückkehren können, auch wenn ihr eigenes Gedächtnis diesen Weg nicht mehr so gut findet.

Für mich ist das genau das, was Erinnerungen bewahren bedeutet.
Es geht nicht nur darum, Fotos zu speichern oder Musik aufzubewahren. Es geht darum, Liebe festzuhalten. Jemanden weiterhin so zu sehen, wie er wirklich ist. Nicht als Patientin. Nicht als Krankheitsbild. Sondern als Mensch. Als Mutter. Als Oma. Als jemand, der ein bedeutungsvolles Leben gelebt hat.

Die Beloved stones, die wir gemeinsam machen, werden später eine greifbare Erinnerung sein. Ein kleiner Stein, aber mit so vielen Geschichten darin. Fotos, die sie schön findet und selbst ausgewählt hat. Musik, die zu ihr gehört. Momente, die zeigen, wer sie ist. Ihre Stimme, ihre Lieder, ihre Liebe.

Für sie. Für uns. Für die Enkelkinder und alle, die sie lieben. Damit sie später nicht nur hören, dass Oma Alzheimer hatte, sondern vor allem sehen und fühlen können, wer Oma war.

Denn Erinnerungen können verblassen. Aber Liebe bleibt.

Ge·liebte·sten·Menschen.

Geschichten, die berühren